Von Mickey Bohnacker, Auguste Deter zu Albert Einstein – Das „who-is-who“ der Frankfurter Archivwelt
20. August 2026
Beide Lehrgänge im Innenhof des ISG (Fotografin: Danuta Ganswindt)
Am 20. August 2026 unternahmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des 60. Wissenschaftlichen und des 63. Fachhochschullehrgangs der Archivschule Marburg eine gemeinsame Tagesexkursion nach Frankfurt am Main. Ziel der Exkursion mit insgesamt 34 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war es, zwei bedeutende Einrichtungen des Frankfurter Archivwesens kennenzulernen und einen Einblick in deren Aufgaben, Aufbau und besonderen Bestände beziehungsweise Arbeitsbereiche zu erhalten.
Die Anreise erfolgte mit der Bahn von Marburg nach Frankfurt, wobei bereits in Großen-Linden auf Grund des Unwetters vom Vortag ein außerplanmäßiger, aber letztlich günstiger Umstieg durchgeführt werden musste. Erster Programmpunkt war das Institut für Stadtgeschichte Frankfurt (ISG). Dort erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jeweils im Wechsel eine Führung durch das Karmeliterkloster und einen Vortrag.
Das Karmeliterkloster im Innenbereich (Fotografin: Luisa Schulte)
Die Führung wurde von der Archivpädagogin des Instituts, Frau Manuela Murmann, durchgeführt und brachte tiefere Einblicke in die historischen Räumlichkeiten sowie in die archivischen Arbeitsbereiche. Interessant ist an dieser Stelle immer wieder, wie historische Gebäude sinnvoll und zweckmäßig als Heimat für städtische Archive genutzt werden können. Parallel dazu erfolgte der Vortrag von der Leiterin des Instituts, Frau Dr. Mirjam Sprau, und dem Leiter der Neuen Abteilung, Herrn Dr. Sebastian Tripp. Dabei wurden das Institut für Stadtgeschichte, seine Aufgaben und sein organisatorischer Aufbau vorgestellt. Darüber hinaus erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Einblicke in die besonderen Merkmale der Einrichtung und ihre Bedeutung für die Überlieferung und Erforschung der Frankfurter Stadtgeschichte. Auch die nahe Zukunft des ISG wurde eindrücklich skizziert. Führung und Vortrag vermittelten ferner interessante Aspekte, etwa zur Ausstellung von Mickey Bohnacker und zur im ISG verwahrten Akte der ersten Alzheimerpatientin Auguste Deter. Die Verbindung von historischem Ort und heutiger archivischer Arbeit machte den Besuch des ISG somit insgesamt besonders anschaulich.
Die Ausstellung von Mickey Bohnacker (Fotografin: Luisa Schulte)
Im Anschluss hieran führte die Exkursion zum Universitätsarchiv Frankfurt in die Dantestraße. Dort wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer von PD Dr. habil. Michael Maaser empfangen. Auch hier standen zunächst die Aufgaben und der Aufbau des Archivs im Mittelpunkt. Darüber hinaus wurden Besonderheiten des Universitätsarchivs und seiner Überlieferung erläutert. Besonders hervorzuheben waren neben dem Konzept zur personellen Nachwuchsgewinnung die exemplarischen Beispiele, wie etwa der immense Versicherungswert der im Universitätsarchiv verwahrten Unterlagen des Nobelpreisträgers Albert Einstein. Auf diese Weise konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die spezifischen Anforderungen und Arbeitsweisen eines Universitätsarchivs kennenlernen und mit den zuvor gewonnenen Eindrücken aus dem Institut für Stadtgeschichte vergleichen.
Empfang im Vortragssaal des Universitätsarchivs durch Dr. Michael Maaser (Fotografin: Luisa Schulte)
Die Exkursion bot damit einen praxisnahen Einblick in zwei unterschiedliche Archivtypen. Während das Institut für Stadtgeschichte insbesondere die städtische Überlieferung und die Geschichte Frankfurts in den Mittelpunkt stellt, steht im Universitätsarchiv die Überlieferung der Universität und ihrer Einrichtungen im Vordergrund. Die Vorstellungen an beiden Standorten verdeutlichten zugleich die Vielfalt archivischer Aufgaben und die unterschiedlichen Rahmenbedingungen, unter denen Archive arbeiten.
Die Tagesexkursion stellte somit eine gewinnbringende Ergänzung zur theoretischen und fachpraktischen Ausbildung an der Archivschule Marburg dar. Durch die unmittelbare Begegnung mit den Einrichtungen und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern konnten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konkrete Eindrücke von der täglichen archivischen Arbeit gewinnen und zugleich unterschiedliche institutionelle Strukturen und Überlieferungsprofile kennenlernen. Ganz herzlich dankt die Archivschule Marburg beiden Institutionen für den freundlichen Empfang.